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Remote Arbeiten in Zeiten der Corona Krise

Veränderte Arbeitsprozesse & Fragen der Unsicherheit.
10.4.2020
6 Minuten
Claudia Satke
Führungskräfte Coach

Remote Arbeiten in Zeiten der Corona Krise

Für viele hat sich durch die derzeitige Situation einiges am Arbeitsprozess geändert. Allen voran arbeiten sehr viele Menschen remote von Zu Hause aus – zumindest da wo es der Arbeitsbereich und der Arbeitgeber möglich machen. Gerade für diejenigen, die zuvor noch nie oder nur selten remote gearbeitet haben, wirft dies eine Reihe an Fragen und Unsicherheiten auf. Remote Arbeiten hat wie alles im Leben zwei Seiten: Zum einen gibt es viele Vorteile, aber es birgt auch neue Gefahren mit sich.

Chancen und Risiken von Remote Arbeiten

Die Frage, ob MitarbeiterInnen generell im Homeoffice oder im Büro besser aufgehoben seien, ging auch das Forscherteam des Stanford-Professors Nicholas Bloom nach. Sie beobachteten in ihrer Studie 500 Angestellte der Reiseagentur Ctrip in ihren jeweiligen Arbeitsumgebungen und deren Befinden. Die eine Hälfte davon arbeiteten alleine und konzentriert, die andere Hälfte mit KollegInnen unter ständiger Ablenkung. Die Ergebnisse zeigten nach neun Monaten Untersuchungszeitraum, dass die MitarbeiterInnen bei konzentrierter Arbeit alleine um 13,5 Prozent effizienter waren als mit KollegInnen und Ablenkung im Büro. Sie machten weniger Pausen, waren seltener krank und durchschnittlich sogar zufriedener mit sich und ihrer Leistung. Zusätzlich sparte das Unternehmen bis zu 2.000 US-Dollar an Bürokosten pro Jahr.

Trotz der überzeugenden Vorteile des Homeoffice entschied sich die Hälfte der Remote-ArbeiterInnen nach dem Experiment wieder für das Büro. Gründe dafür waren zum einen die auftretende Einsamkeit durch die Isolierung alleine zu Hause und zum anderen deutlich weniger Anerkennung für die geleistete Arbeit. Zweiteres ist damit zu erklären, dass Vorgesetzte weniger mitbekommen, wie viel Arbeit im Homeoffice in etwas investiert wurde und es daher zwangsläufig zu weniger Wertschätzung des Geleisteten kommt. Dies führt in Folge zu fehlendem Feedback und Lob, was sich in Demotivation widerspiegelt und im schlimmsten Fall zu reinem Dienst nach Vorschrift führen kann.

Bloom empfiehlt daher generell eine „gesunde Balance“ zwischen beiden Welten – Homeoffice und Büroarbeit – anzustreben. Wenn MitarbeiterInnen trotz Homeoffice Regelung regelmäßig im Unternehmen erscheinen, wirkt dies zum einen der Einsamkeit durch Isolierung entgegen und behebt auch das Problem der fehlenden Anerkennung für die geleistete Arbeit.

Generell gilt: Das richtige Verhältnis finden

Das richtige Verhältnis von Homeoffice zu Arbeit im Büro ist selbstverständlich abhängig von der Branche, Firmenstruktur, vom Arbeitsprozess- und -platz sowie der Persönlichkeit der betroffenen Person. Es ist demnach immer individuell festzulegen und es gibt hierzu keinerlei Vereinheitlichung. Eine Kombination von Homeoffice und Büro vereinfacht bewiesenermaßen Abstimmungen, Updates zum Arbeits-/ Projektstatus, Feedback, Konfliktvermeidung/-Lösung, Verbesserung der Teamarbeit und stärkt das Selbstvertrauen und somit die Motivation jedes einzelnen. Erfahrungsbedingt bewährt sich in den meisten Fällen langfristig gesehen 1-2 Tage Remote Arbeiten pro Arbeitswoche.

Diese „gesunde Balance“ ist derzeit natürlich in vielen Fällen nicht möglich. Denn wir befinden uns momentan in einer Ausnahmesituation. Aufgrund der aktuellen Lage arbeiten viele ArbeitnehmerInnen die ganze Woche von zu Hause aus – viele davon zum ersten Mal überhaupt. Umso wichtiger ist es hier praktische Tipps für eine erfolgreiche Arbeit zu Hause zu kennen.

Tipps für erfolgreiches Remote Arbeiten

Beherzigt man einige Tipps für die Arbeit im Homeoffice, kann dieses sehr erfolgreich sein:

1. Die richtige Kommunikation & Abstimmung

Das wichtigste bei der Arbeit – egal ob Remote oder vor Ort – ist in jedem Fall die richtige Abstimmung und Kommunikation unter den KollegInnen, die gemeinsam an Projekten arbeiten. So kann man auch die Gefahr von Doppelarbeit minimieren. Wenn jede/r genau dokumentiert und den anderen kommuniziert woran er gerade arbeitet, läuft man nicht Gefahr, dass zwei oder mehrere Personen vielleicht gerade an der selben Sache parallel arbeiten. Regelmäßige Abstimmungen mit KollegInnen, Team-MitgliederInnen und Vorgesetzten können hier „lost time“ verhindern und Missverständnissen vorbeugen.

2. Hoher Bedarf an Selbst-Disziplin

Remote Arbeiten erfordert vor allem eines: Selbst-Disziplin – und das in beide Richtungen. Zum einen ist es wichtige einen strukturierten Tagesablauf beizubehalten, wie wenn man „ins Büro gehen würde“. Hierbei kann ein Tagesplan entscheidend unterstützen: Wann hat man welche Aufgabe geplant und wie viele davon konnte man nach dem Arbeitstag davon wirklich umsetzen? Dies hilft einem selbst den Überblick über die erbrachte Leistung und den eigenen Fortschritt zu behalten und kann auch Team-KollegInnen unterstützen, sich daran zu orientieren, was noch zu tun ist. Auch ein Abgleich mit Peers kann hilfreich sein, um seinen eigenen Arbeitsstil zu optimieren und zukünftig effektiver zu gestalten. Im Zuge dessen empfehlen sich dafür auch Wochen- und Monatsberichte, um den Überblick zu behalten.

Fragen wie: „An welchen Projekten bin ich beteiligt? Was hat den Großteil meines Tagwerks im scheidenden Monat ausgemacht? Welche Erfolge konnte ich einfahren? Was steht im neuen Monat an?“ regelmäßig breit zu beantworten, führt zu mehr Verständnis für die Dinge, die im Homeoffice geschehen.

Selbst-Disziplin ist aber auch in einer anderen Richtung wichtig: Und zwar seiner eigenen Gesundheit zuliebe und zwar beim Einhalten seiner Arbeitszeiten. Wer zu Hause arbeitet, hat es sicher schnell festgestellt: Man tendiert dazu, da der Arbeitsplatz quasi nur wenige Schritte oder Handgriffe entfernt ist, auch noch zu später Stunde die E-Mails zu checken, KollegInnen zu antworten und generell zu wenige Pausen in den Arbeitsalltag einzubauen. Wer sehr konzentriert, ohne Ablenkung, von zu Hause aus arbeitet, vergisst dabei schnell die Zeit, sein Mittagessen zu essen oder auch einfach einmal aufzustehen und sich die Beine zu vertreten. Dies kann aber auf lange Dauer zu psychischen als auch gesundheitlichen Problemen führen. Beim Remote Arbeiten gilt daher mehr denn je auf Selbst-Disziplin zu achten – sowohl auf Seiten der zu erledigenden Arbeit, als auch auf Seiten seiner eigenen Gesundheit und Achtsamkeit einer gesunde Work-Life-Balance. Wichtig ist zudem Probleme nicht in seinen Feierabend mitzunehmen, sondern sie mit „Zuklappen des Laptops“ auch „in der Arbeit zu lassen“.

3. Online-Kommunikation mit Sichtbarkeit

„Unsichtbarkeit“ des Teams und der KollegInnen kann zu einer „fehlenden kollektiven Verantwortung“ führen. Die im Homeoffice gängige Online-Kommunikation ersetzt die normale Face-to-face Kommunikation im Büro, birgt jedoch ein höheres Konfliktpotenzial. Manche Worte kommen ohne die dazu passende Gestik und Mimik eventuell zu hart beim Gegenüber an. Es fehlt hier häufig an der menschlichen Reflexionsfläche. Vor allem Personen, die mit der Online Kommunikation nicht so vertraut sind, tendieren dazu leicht etwas falsch auffassen. Die Gefahr, dass sich Missverständnisse ergeben, die dann schnell zur Diskussionen oder gar zum Streit führen, ist dadurch tendenziell höher als bei normalen Gesprächen.

Hier kann Sichtbarkeit mithilfe von Webcams eine entscheidende Erleichterung bringen. Sieht man sein Gegenüber oder spricht man miteinander anstatt nur zu schreiben, können Diskussionen schneller aus dem Weg geräumt werden und Streit muss gar nicht erst entstehen.

Blick nach vorne

Ganz normal wird der Arbeitsalltag im Homeoffice für uns wohl trotzdem nicht so schnell werden.  „Corona-Kommunikation: Ein Tag in neun Szenen“ beschreibt die derzeitige Situation vieler Berufstätiger im Homeoffice gerade sehr treffend.

Halten wir uns vor Augen, dass dies derzeit fast alle Branchen und Länder betrifft und wir gemeinsam in einem Boot sitzen. Armin Wolf, Journalist und Fernsehmoderator beim ORF hat seine Zeit in der „Corona-WG“ beschrieben und was wir aus dieser neuen Form des Arbeitens lernen können.

Viele Unternehmen, die schon länger mit dem Gedanken gespielt haben Homeoffice einzuführen, können die jetzige Situation als Chance sehen, dies auszuprobieren und aus der Not eine Tugend machen. Aus der Erfahrung, die sie jetzt sammeln, können sie für später lernen und erproben was es für das ideale Homeoffice noch braucht. Die Zeit jetzt eignet sich ideal als Erfahrungsschatz für den späteren Normalbetrieb. Erfahrungen, die man jetzt in dieser neuen Homeoffice-Situation macht, können mit einem/einer Coach reflektiert werden und für die spätere Integration von Homeoffice in den Normalbetrieb genützt werden.

Klar ist, vieles wird sich nach der Krise ändern – was genau das sein wird, steht noch in den Sternen. Einige werden wohl ihre Vorurteile gegenüber Homeoffice aus der Welt geräumt haben, andere wiederum werden sich über die Gesichter der KollegInnen im Büro auch an einem Montagmorgen wieder freuen. In jedem Fall gilt: Richten wir den Blick nach vorne und machen gemeinsam das Beste aus der derzeitigen Situation!

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