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Digitaler Wandel in beratenden Berufen

Welche Auswirkungen Corona auf die Klient*innen-Kommunikation in sensiblen Branchen wie Coaching & Psychotherapie haben wird
14.10.2020
9 Minuten
Monika Spiegel
Coach, Institutsleitung "Psyche und Wirtschaft" SFU Wien

Mit der Corona-Krise hat eine neue Ära hat begonnen - und die betrifft alle Lebensbereiche, privat wie beruflich. Man kann und mag es schon nicht mehr hören: „Sehen wir die Krise doch als Chance“. Doch wie werden wir uns unter diesen besonderen Umständen verändern? Wie werden sich unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und unser Berufsbild in Zukunft wandeln?

Stark betroffen von den Veränderungen sind vor allem die beratenden Berufe: Coaches, Trainer*innen und Therapeut*innen waren in der ersten Lockdown Phase stark eingeschränkt. Jedoch zeigte es sich, dass Menschen gerade in dieser besonderen Zeit auf Beratung im Beruf wie auch im Privaten angewiesen sind und so wurde auf digitale Kommunikation umgestellt.

Angebot von Online-Settings steigt

Was vor der Corona-Krise als aufkeimendes Pflänzchen sprießte, schießt nun in die Höhe. In vielen Lebensbereichen stand bereits vor der Krise ein „e“: e-Commerce, e-finance, e-Learning, e-books, e-mental-health, usw. Immer mehr Lebensaufgaben werden digital über das Internet abgewickelt. Besonders sensible Bereiche sind die Psychotherapie und das Coaching. Hier hat sich in den vergangenen Jahren als zusätzliches Angebot die Beratung via E-Mail, SMS oder WhatsApp, sogenannte Online-Settings, zaghaft zur realen Beratung dazugesellt. Zu einer unabdingbaren Notwendigkeit wurde die Onlineberatung aber erst, als der Lockdown da war und von heute auf morgen persönliche Klient*innengespräche unmöglich waren.

Wandel in der Einstellung zu Online-Beratung

Seither besteht ein ständiges Anpassen an Veränderungen und ebenso deren Erforschung: So wurde an der Sigmund Freud Privat Universität diesbezüglich eine Studie durchgeführt, um das Potential von E-Psychotherapie in Österreich zu beleuchten. Im Juni 2020 wurden mehr als 700 Psychotherapeut*innen in ganz Österreich ausführlich zu ihren Erfahrungen mit telefonischer und videotelefonischer Psychotherapie (E-Psychotherapie) befragt: Nur knapp ein Drittel der Befragten gab an, vor Beginn der Krise eine positive Einstellung zur E-Psychotherapie gehabt zu haben. Dies hat sich stark verändert: Rund zwei Drittel der Psychotherapeut*innen schätzen diese Option nun generell positiv ein und fast 90 Prozent finden, dass E-Psychotherapie in bestimmten vorübergehenden Situationen ein sinnvolles Angebot darstellt.

Deutlich macht diese Studie allerdings auch, dass der direkte persönliche Kontakt zu den Patient*innen weiterhin ein zentrales Element bleiben wird, wenn auch eine vorübergehende therapeutische Online-Beziehung angenommen wird. Einer weiteren empirischen Studie der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung zufolge – an der Anfang April 2020 4.466 Psychotherapeut*innen teilnahmen – gaben 77 Prozent der Befragungsteilnehmer*innen an, dass sie die Möglichkeiten der Videobehandlung nutzen, 95 Prozent davon erst seit Beginn der Pandemie. Ein weiteres Ergebnis war, dass sich Therapeut*innen auf die Videobehandlung eingelassen haben, trotz behandlungstechnischer Bedenken. Die Bedenken würden sich laut Angaben allerdings relativieren, wenn es entsprechende Weiterbildungen geben würde.

Nachfrage von Weiterbildung – neue Lehrgänge zum Thema Onlineberatung

An dieser Stelle setzt der an der Sigmund Freud Universität entwickelte Universitätslehrgang „online@work – Digitales Beraten richtig gemacht“ an, welcher nun im Rahmen der SFU-Weiterbildungsakademie angeboten wird. Der Lehrgang soll vor allem wissenschaftlich erklären und trainieren, wie man sich auf die veränderte Kommunikationssituation einstellt. Angesprochen sind nicht nur Psychotherapeut*innen und Coaches, sondern ebenso Vertreter*innen aus Wirtschaft und Medizin, da sie alle von den logistischen, technischen, juristischen und psychologischen Herausforderungen der derzeitigen Situation betroffen sind. Eine zentrale Thematik ist dabei auch, wie sich online vollzogene zwischenmenschliche Beziehungen in Zukunft gestalten werden.

Um Antworten und Lösungen auf all diese neuen Fragestellungen zu geben, hat die Lehrgangsleitung in Rekordzeit international anerkannte akademische Expert*innen nach Wien geholt, um den Lehrgang fachlich auf Höchststand zu heben. Der Fokus des Lehrgangs liegt breit gefächert auf wirtschaftlichen und psychologischen Aspekten von Beziehungsaufbau und Gesprächsführung in der Onlineberatung sowie den rechtlichen, technischen, aber auch ethischen Rahmenbedingungen. Die Teilnehmer*innen lernen dabei nicht nur theoretische Grundkenntnisse direkt aus der Forschung kennen, sondern werden auch praktisch und didaktisch auf den Einsatz von Online-Formaten im Berufsalltag vorbereitet. Der Lehrgang bietet damit sowohl unmittelbare Hilfestellung bei der Umstellung als auch die Werkzeuge für eine langfristige Qualitätssicherung.

Der Bedarf an Weiterbildung ist also groß und trifft viele Bereiche des beruflichen Lebens. Fragestellungen wie: Wie berate ich digital? Wie reagiere ich richtig auf menschliche Regungen, die ich via Bildschirm wahrnehme? Wie führe ich meine Mitarbeiter*innen im Home Office? Wie leite ich in digitalen Besprechungen? etc. beschäftigen aktuell zahlreiche Branchen und werden in Zukunft wesentliche Anlässe für Weiterentwicklungs- & Weiterbildungs-Maßnahmen sein.

Weitere Details und Informationen zum Lehrgang "online@work" finden Sie hier.

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